Bundesliga
Nach 14 Jahren bringt Bittencourts 7‑minütiger Anruf ihn nach Cottbus
An einem ruhigen Abend in der Lausitz traf Leonardo Bittencourt eine Entscheidung, die eine 14‑jährige Abwesenheit beendete. Der 32‑jährige Mittelfeldspieler hat bei Energie Cottbus unterschrieben, dem Verein, in dem seine Karriere begann, nach einem Sommer voller konkurrierender Angebote und einem entscheidenden siebenminütigen Telefonat mit Trainer Claus‑Dieter „Pele“ Wollitz. Bittencourt wählte den 2.‑Bundesliga‑Club gegenüber inländischen und ausländischen Rivalen und verwies dabei auf die emotionale Bindung zu seiner Heimatregion.
Energie Cottbus verfolgte ihn, weil er die Identität des Vereins in der Lausitz verkörpert, einer Region im Osten Deutschlands, in der Fußball tief in der Gemeinschaft verwurzelt ist. Der Mittelfeldspieler wuchs in der Gegend auf und trat im Alter von fünf Jahren in die Jugendabteilung von Energie Cottbus ein. Später entwickelte er sich zu einem der vielversprechendsten Talente, die der Verein in den 2000er‑Jahren hervorgebracht hat, und gab im Alter von 17 Jahren sein Debüt in der 2. Bundesliga. Sein rascher Aufstieg erregte die Aufmerksamkeit der Spitzenclubs Deutschlands und führte 2012 zu einem Wechsel zu Borussia Dortmund.
Bittencourts Laufbahn setzte sich mit Stationen bei Hannover 96, dem 1. FC Köln, der TSG Hoffenheim und sieben prägenden Jahren bei Werder Bremen fort. In seiner gesamten Karriere absolvierte er 304 Bundesliga‑Einsätze, erzielte 32 Tore und lieferte 36 Vorlagen.
Trainer Claus‑Dieter „Pele“ Wollitz, der den Jugendlichen erstmals ins erste Team einbezog und ihm 2011 das Debüt ermöglichte, lobte Bittencourts Charakter. „Er vermittelte Liebe“, sagte Wollitz und reflektierte damit über den Einfluss des Spielers sowohl auf als auch abseits des Platzes.
Bittencourt bestätigte, dass im Sommer sechs oder sieben Angebote auf dem Tisch lagen, darunter auch aus dem Ausland, bevor der entscheidende Anruf von Wollitz kam. „Pele brauchte sieben Minuten – dann hatte er mich“, erinnerte sich Bittencourt und beschrieb, wie das kurze Gespräch seine Entscheidung beeinflusste.
Wollitz’ langjährige Verbindung zu Bittencourt war offensichtlich. „Von Tag eins an betrat er das Spielfeld mit einer Aura… Leo strahlte ein Gefühl von Liebe aus“, erinnerte sich der Trainer und hob die Bindung hervor, die seit den Jugendjahren des Spielers besteht.
Der Wechsel hat für Bittencourts Familie eine persönliche Bedeutung. Sein Vater, die frühere Energie‑Legende Franklin Bittencourt, wurde zu Tränen gerührt, als sein Sohn die Rückkehr ankündigte. „Er musste weinen“, berichtete der Mittelfeldspieler und unterstrich damit das emotionale Gewicht der Entscheidung.
Bittencourts zweiter Aufenthalt bei Energie Cottbus beginnt mit einem Spiel gegen Hannover 96, einem Verein, den er zu Beginn seiner Karriere für zwei Jahre vertreten hat. Die Wiedervereinigung schließt nach 14 Jahren abseits der 2. Bundesliga einen Kreis und spiegelt sowohl den Ehrgeiz des Vereins, zu überleben, als auch den Wunsch des Spielers wider, zu einem Trainer zurückzukehren, den er respektiert.