Serie A
Covid-Pandemie Eskalation bei Lazio: Gattuso klagt über leere Stadien
Lazio Rom startete stark in die neue Saison der Serie A, doch im Stadio Olimpico fehlten die Zuschauer. Gennaro Gattuso erinnerte am Samstag an eines der dunkelsten Kapitel der jüngeren Menschheitsgeschichte: „Es fühlt sich an wie während der Covid-Pandemie.“ Trotz des 2:2-Unentschiedens gegen AC Milan sahen nur rund 10 000 Fans zu, die Mehrheit hinter den Gästen.
Leere Tribünen trotz starkem Start
Der Gästeblock war mit 5 500 Tickets ausverkauft, während die umliegenden Sektoren von Milan‑Rot und Schwarz dominiert wurden. In der gleichen Begegnung der Vor‑Saison waren noch etwa 50 000 Zuschauer im Stadion. Gattuso sagte: „Wir vermissen unsere Fans unglaublich. Fußball ohne Fans ist eine Plage. Da kann man auch gleich mit dem Hund spazieren gehen.“
Fanboykott gegen Claudio Lotito
Der Grund für die Covid‑ähnliche Szenerie liegt im eskalierenden Streit zwischen den Lazio‑Fans und Klub‑Boss Claudio Lotito. In der vergangenen Saison verkaufte Lazio rund 30 000 Dauerkarten, in dieser nur etwa 4 000. Zusätzlich boykottieren die Fans den offiziellen Fanshop und weitere von Lotito kontrollierte Einrichtungen.
Kontroverse um Lotito und die Fans
Die Tifosi kritisieren die sportliche Stagnation: in den letzten drei Jahren landete Lazio auf den Plätzen sieben, sieben und neun, der letzte Titel war der Coppa‑Italia‑Sieg 2019. Sie werfen Lotito vor, zu wenig Geld in den Kader zu investieren und sich zu sehr anderen Aktivitäten zu widmen. Ein geleaktes Telefonat aus Anfang des Jahres enthüllte seine Aussage: „Der Verein hat einen Namen: Claudio Lotito.“
Lotito, seit 2004 Eigentümer, übernahm 2011 den Viertligisten Salernitana, führte ihn in zehn Jahren in die Serie A und musste ihn wegen Verbandsregularien verkaufen. Im Sommer dieses Jahres stieg er bei Reggina ein, ein weiteres Projekt im vierten Rang.
In den letzten Monaten verkaufte Lazio wichtige Spieler wie Taty Castellanos, Matteo Guendouzi, Mario Gila, Alessio Romagnoli und Ivan Provedel, jedoch keine kostspieligen Neuzugänge. In einer offiziellen Mitteilung beklagten die Fans eine „klare Investitionsverweigerung“ Lotitos, obwohl der Klub in der vergangenen Saison und in der abgelaufenen Transferperiode mehr Geld für Spieler einnahm, als er ausgab.
Gattusos Bestellung zum Cheftrainer löste wenig Begeisterung aus, da er zuvor mit der italienischen Nationalmannschaft in der WM‑Qualifikation gescheitert war. Lotitos Ruf ist ebenfalls umstritten: 2006 wurde er im Zuge des italienischen Wettskandals für zwei Jahre gesperrt, 2009 wegen Kursmanipulationen verurteilt und während der Pandemie wegen Nichteinhaltung von Infektionsmaßnahmen bestraft.
Auch die Fanbasis von Lazio hat einen zweifelhaften Ruf. 2018 forderte eine Fangruppe Frauen auf, die ersten zehn Reihen des Fanblocks zu meiden. 2021 sang Elseid Hysaj das Partisanenlied „Bella Ciao“, worauf ein Banner mit der Aufschrift „Hysaj ist ein Wurm, Lazio ist faschistisch“ erschien. Beim Champions‑League‑Gastspiel gegen den FC Bayern 2024 zeigten Fans im Münchner Hofbräuhaus den römischen Gruß und riefen „Duce“.
Trotz all dieser Probleme legte Lazio einen überraschend starken Start hin. Vor dem respektablen Remis gegen Milan feierten die Römer drei Siege in Folge. Neue Offensivkräfte wie der Leihmidfielder Davide Frattesi von Inter Mailand, der bereits drei Treffer erzielt hat, und der Leihstürmer Albert Gudmundsson trugen entscheidend zum frühen Erfolg bei.