WM
Infantino streicht 20‑Mrd‑Dollar‑WM‑Abspaltung nach europäischem Walkout
In einem vollen Presseraum am Freitag kündigte FIFA‑Präsident Gianni Infantino an, dass der geplante Eigenkapitalverkauf in Höhe von 20 Milliarden Dollar der Weltmeisterschaft nach heftiger Opposition, einschließlich eines drohenden Rückzugs europäischer Verbände und Gegenwind von den eigenen Gremien der FIFA, aufgegeben wird. Infantino hatte vorgeschlagen, die kommerziellen Geschäfte der FIFA – die die Männer‑ und Frauen‑Weltmeisterschaften sowie die Club‑Weltmeisterschaften betreffen – in ein separates Ausgründungsunternehmen mit einem Wert von 20 Milliarden Dollar auszulagern. Der Plan hätte ein neues Unternehmen geschaffen, das die kommerziellen Rechte des Turniers besitzen würde. FIFA identifizierte den Hauptinvestor als eine in New York ansässige Investmentfirma, die von Joshua Kushner gegründet wurde, dem Bruder von Jared Kushner und Schwiegersohn des US‑Präsidenten Donald Trump. Die Firma sollte das Kapital von 20 Milliarden Dollar für die Ausgründung bereitstellen. Infantino bestätigte, dass der Vorschlag nicht weiterverfolgt wird, und sagte: „Nachdem wir alle Standpunkte sorgfältig angehört haben, ist klar geworden, dass das Projekt Spaltungen einer Art erzeugt hat, die – ungeachtet des Unterstützungsgrades – nicht mehr im Interesse des ursprünglich festgelegten Ziels stehen.“
Die Kehrtwende folgte nach Tagen zunehmender Gegenwehr im gesamten Sport, von Nordamerika – frisch nach der Ausrichtung der FIFA‑Weltmeisterschaft 2026 – bis nach Europa und darüber hinaus. Europäische Verbände drohten mit einem Rückzug und argumentierten, der Plan verwandle die Weltmeisterschaft in ein Investmentprodukt. Die UEFA und ihre 55 Mitgliedsverbände kündigten ein Boykott aller FIFA‑Wettbewerbe an und bezeichneten den Plan als Versuch, die Weltmeisterschaft als Investmentprodukt statt als sportliches Erbe zu behandeln. Auch die Asian Football Confederation und CONCACAF legten Einwände vor, wobei sie zusammen etwa zwei Drittel der stimmberechtigten Mitglieder der FIFA repräsentieren.
Infantinos leitender Berater, der ehemalige US‑Soccer‑Präsident Carlos Cordeiro, trat aus Protest zurück und erklärte, er wolle nichts mit einem Deal zu tun haben, den er als schädlich für die Mitgliedsverbände und die langfristige Zukunft des Sports ansieht. FIFA‑Chief‑Operating‑Officer Kevin Lamour warnte öffentlich, dass das Personal getäuscht worden sei, und sagte, er sei bereit, seinen Job zu verlieren, um sich zu äußern.
Präsident Donald Trump bestritt jegliche Diskussion mit Infantino über den Verkauf von Anteilen an der Weltmeisterschaft, obwohl er zuvor den FIFA‑Chef gebeten hatte, eine Rote Karte für den US‑Stürmer Folarin Balogun zurückzunehmen.
FIFA hatte den 19. September als Frist gesetzt, bis zu der die Mitgliedsverbände den Plan unterstützen sollten, und drohte Nicht‑Unterstützern mit erheblichen Kürzungen der Fördermittel, während gleichzeitig ein schneller Übergang zu einer 64‑Mann‑Weltmeisterschaft für 2030 vorangetrieben wurde, was bei den Verbänden das Gefühl verstärkte, unter Zeitdruck zu stehen.
Es bleibt abzuwarten, ob die Rufe nach Infantinos Absetzung anhalten werden. Die Debatte verdeutlicht das fragile Gleichgewicht zwischen kommerziellen Ambitionen und der traditionellen Governance des Fußballs.