WM
Marokkos Aufstieg in der FIFA-Weltrangliste
Marokkos Aufstieg auf Platz sieben der FIFA-Weltrangliste hat die Erwartungen vor dem Achtelfinale gegen die Niederlande bei der Weltmeisterschaft neu geprägt.
In nur sechzehn Jahren kletterten die Atlaslöwen 72 Plätze in der FIFA-Liste – von Platz 79 im Jahr 2008 bis heute auf Platz sieben – und überholten dabei sogar die Niederlande.
Die Wende begann 2008, als König Mohammed VI in einem Brief, der auf einer Konferenz in Skhirat verlesen wurde, eine nationale Fußballstrategie skizzierte. „Der Sport wird rein kommerziellen oder egoistischen Zwecken ausgenutzt“, schrieb er. „Wir müssen eine strenge Strategie umsetzen, die auf dem Motto dieser Konferenz beruht: eine gemeinsame Vision und gemeinsame Verantwortung.“
Dieser Aufruf führte zu tiefgreifenden Reformen in der Führung, den rechtlichen Rahmenbedingungen und den Investitionsprioritäten. Einer der ersten greifbaren Schritte war die Gründung der Académie Mohammed VI de Football in Salé im Jahr 2009. Die hochmoderne Akademie zentralisierte die Jugendentwicklung und brachte die besten jungen Talente des Landes unter einem Dach zusammen.
Mark Wotte, der zwischen 2016 und 2019 für den Marokkanischen Fußballverband arbeitete, beschrieb die Einrichtung als „eine super-de-luxe Fußball-Internatsschule“. Er betonte, dass die Spieler zweimal täglich trainierten, am Unterricht teilnahmen und strukturierte Entwicklungswege erhielten. „Man kann ihnen so viel geben“, sagte er.
Die Absolventen der Akademie bilden mittlerweile das Rückgrat der Nationalmannschaft. Internationale Spieler wie Nayef Aguerd, Azzedine Ounahi, Youssef En-Nesyri und Oussama Targhalline von Feyenoord durchliefen ihre Reihen.
Ab 2014 weitete sich der Fokus auf die marokkanische Diaspora in Europa aus. Fouzi Lekjaa, der Verbandspräsident, führte eine zentrale Scouting-Datenbank für Spieler mit marokkanischen Wurzeln ein. Dieses System ermöglichte frühe Kontakte und langfristige Integration.
Die Ergebnisse waren sofort spürbar. Bis 2015 war Marokko auf Platz 75 aufgestiegen; fünf Jahre später stand das Land bereits auf Platz 35. Wichtige Neuverpflichtungen wie Hakim Ziyech, Sofyan Amrabat, Achraf Hakimi und Noussair Mazraoui prägten diesen Aufstieg.
Der Erfolg setzte sich unter einheimischen Trainern fort. Walid Regragui, der wenige Wochen vor der WM 2022 von Wydad Casablanca geholt wurde, führte Marokko bis ins Halbfinale. Nach der Afrikameisterschaft 2023 wurde Mohamed Ouahbi – zuvor Trainer der U-20-Mannschaft – zum neuen Nationaltrainer ernannt.
Marokkos Selbstvertrauen ist mit den Ergebnissen gewachsen. Bei dieser Weltmeisterschaft hat das Team unter Ouahbi einen offensiveren Spielstil angenommen und das Underdog-Image abgelegt. Der Verband investiert zudem in Trainerqualifikationen und bietet beschleunigte Kurse für ehemalige Nationalspieler an – darunter auch einige aus den Niederlanden.
Mit Blick auf 2026 positioniert sich Marokko als dauerhafte Kraft im Weltfußball und erweitert seinen Einfluss über Afrika hinaus.