WM
Deutschlands WM-Aus: drei Strafstöße in Folge vergeben
Deutschlands WM-Kampagne endete in dramatischer Weise, nachdem Kai Havertz, Nick Woltemade und Jonathan Tah alle drei ihre Strafstöße im verlorenen Elfmeterschießen gegen Paraguay verschossen. Die Niederlage markiert das erste Mal, dass drei deutsche Spieler in einem einzigen WM-Elfmeterschießen ihre Strafstöße nicht verwandeln konnten.
44 Jahre lang stand Uli Stielike allein als einziger Deutscher da, der in einem WM-Elfmeterschießen einen Strafstoß verschoss. Dieser Rekord wird nun geteilt, nachdem Havertz’ schwacher Versuch, Woltemades noch schwächerer Versuch und Tahs wild danebengegangener Schuss scheiterten. José Canale verwandelte den entscheidenden Elfmeter und schickte Paraguay ins Achtelfinale.
Die Niederlage verlängert Deutschlands Durststrecke in K.-o.-Spielen auf neun Jahre, wobei ihr letzter Sieg in solchen Partien aus dem Finale von 2014 stammt. Seitdem verloren sie gegen Mexiko, Südkorea, Japan, Ecuador und nun Paraguay – jedes Ergebnis widerlegt das Klischee der unerbittlichen Turniermannschaft.
Julian Nagelsmann gab zu, er würde „gerne“ weiter als Trainer arbeiten, doch seine Position hängt nun am seidenen Faden. Die Kampagne seiner Mannschaft wurde durch Verletzungen von Lennart Klostermann und Serge Gnabry überschattet, während Manuel Neuers Rückkehr mit 40 Jahren gegen stärkere Gegner nach hinten losging.
Deutschlands WM-Schicksal im Elfmeterschießen gegen Paraguay entschieden
Nagelmanns Vertrauen in Leroy Sané wurde nicht belohnt. Der Flügelspieler traf zwar früh gegen Ecuador, war aber gegen Paraguay wirkungslos, verlor den Ball 23 Mal und beendete keines seiner sieben Dribblings erfolgreich. Jamal Musiala saß auf der Bank, während Deniz Undavs Auslassung in der frühen Turnierphase weitere Fragen zur Teamzusammenstellung aufwarf. Deutschlands Probleme gingen über individuelle Fehler hinaus. Ihre Ballbesitzfixierung, beeinflusst von Pep Guardiolas Philosophie, hat traditionelle deutsche Stärken verwässert. Die aktuelle Generation fehlt die Unerbittlichkeit früherer Teams, und es gibt seit Miroslav Klose keinen typischen Mittelstürmer mehr. Kai Havertz beschrieb die Niederlage als „Schock“ und fügte hinzu: „Es war eine Überraschung, und doch, je länger Deutschland scheiterte, desto mehr wurde es zur Realität.“ Das Ergebnis lässt die deutsche Fußballwelt mit einer neuen, schmerzhaften Realität zurück. Nagelmanns Zukunft bleibt ungewiss, wobei Jürgen Klopps Präsenz als Experte in den USA Spekulationen über einen möglichen Nachfolger nährt. Der DFB muss nun entscheiden, ob er an Nagelmann festhält oder einen Neuanfang wagt. Paraguay hingegen trifft im nächsten Spiel auf Frankreich nach ihrem historischen Sieg. Dieser Triumph unterstreicht die sich verschiebende Machtbalance im internationalen Fußball, wo selbst traditionelle Großmächte keinen automatischen Einzug mehr garantiert haben.