Warum Österreichs Pressing gegen Israel noch zu langsam war
Als Österreich am Mittwoch Israel mit 3:1 besiegte, zeigte das Team zwar mehr Energie, doch die Zahlen belegen, dass das Pressing noch zu langsam war: nach jedem Ballverlust brauchte die Mannschaft im Schnitt rund 21 Sekunden, um den Ball zurückzuerobern – ein Rang 43 von 48 Teilnehmern.
Kernkompetenz Pressing und Gegenpressing
Der ÖFB‑Team soll gegen Israel mit Pressing und Gegenpressing zu den Stärken gehören. Bei der Weltmeisterschaft war diese Spielweise jedoch nicht ausreichend sichtbar. Die Analyse verdeutlicht, dass das Team trotz des Sieges nicht das gewünschte Niveau erreichte.
Rangnicks Zeitfenster und reale Zahlen
Ralf Rangnick erklärte, dass die größten Chancen in den ersten acht Sekunden nach einem Ballverlust liegen und innerhalb der folgenden zehn Sekunden ein Abschluss folgen sollte. In der Partie gegen Israel gelang es jedoch nur dreimal, den Ball innerhalb dieses Zeitraums zurückzuerobern. Insgesamt benötigte Österreich in 15 messbaren Szenen durchschnittlich 27 Sekunden, um den Ball erneut zu kontrollieren.
Nach dem 3:1‑Sieg fasste Rangnick das Spiel positiv zusammen: „Gegen den Ball haben wir klar besser gespielt, nicht auf höchstem Niveau, aber mit dem Energielevel war ich zufrieden.“ Damit bestätigte er, dass das Team zwar mehr Einsatz zeigte, das technische Niveau jedoch noch hinter den Erwartungen zurückblieb.
Warum das Pressing noch nicht reicht
Dominik Thalhammer, ehemaliger Frauen‑Teamchef und Leiter der ÖFB‑Trainerausbildung, analysierte die Situation für den KURIER und betonte, dass ein schneller Ballgewinn allein nicht genügt. Jürgen Klopp hatte das Gegenpressing bereits als „besten Spielmacher“ bezeichnet, doch in den 13 Szenen, in denen Israels Ballführer sofort attackiert wurde, folgte selten ein zweiter Pass oder ein Abschluss. Nur dreimal schlossen die österreichischen Spieler konsequent die Räume, sodass Israel häufig eine freie Anspielstation fand.
Insgesamt verzeichnete das Team 18 Ballverluste gegen Israel. Davon entkam Israel zwölfmal der ersten Druckwelle, während Österreich lediglich dreimal den Ball innerhalb von acht Sekunden zurückeroberte. Rangnick blieb dennoch bei seiner Aussage zum Energielevel, obwohl die Zahlen zeigen, dass die kollektive Umsetzung des Pressings mangelhaft war.
Die Analyse verdeutlicht, dass Österreichs Pressing noch nicht das Niveau erreicht, das bei internationalen Turnieren gefordert wird. Ohne konsequenteres Schließen von Räumen und schnellere Abschlüsse bleibt das Team hinter den europäischen Spitzen, wie Spaniens elf Sekunden im Vergleich zu Österreichs 21 Sekunden zeigen.