Verbände kritisieren längeres Länderspielfenster – Klubs loben den neuen Kalender
Während zahlreiche UEFA‑Mitgliedsverbände das neue, längere Länderspielfenster als zu belastend bezeichnen, feiern Vertreter großer Klubs den gleichen Kalender als Fortschritt für den Klubfußball. Beim UEFA‑Treffen in Berlin, das in einem Luxushotel am Potsdamer Platz stattfand, legten die Verbände ihren Ärger offen – gleichzeitig lobte Bayern‑München‑Chef Jan‑Christian Dreesen das Konzept.
Verbände fordern Rückkehr zum alten Kalender
Mehrere Verbände Europas kritisierten den neuen Kalender, weil das Länderspielfenster ihrer Ansicht nach zu lang sei. Ein Verbandspräsident erklärte der Sportschau, dass praktisch alle Wortmeldungen in der Sitzung gegen das neue Fenster gerichtet hätten. Die Forderung lautete, zum alten System zurückzukehren, das bislang drei Fenster mit je zwei Spielen vorsah.
Der englische "Guardian" berichtete zuerst über den Widerspruch zum neuen Kalender. Laut Guardian seien kleinere Länder zudem besorgt, weil die geballte Terminierung den Ticketverkauf erschwere.
Klubs sehen Vorteile für den Verein
Jan‑Christian Dreesen, Vorstandschef von Bayern München, lobte das Fenster als "besser für den Klubfußball" und als richtigen Weg für alle Beteiligten. Er betonte, dass trotz Bedenken hinsichtlich der Spielergesundheit das Modell langfristig Entlastung bringe.
Durch das neue System sollen im Herbst nur noch zwei Fenster stattfinden – eines mit vier Spielen, das andere mit zwei. Zwei An‑ und Abreisetage entfallen, was besonders für Spieler, die nach Südamerika reisen, von Bedeutung ist. Die Abstellzeit der Spieler sinkt von 27 auf 24 Tage.
Hintergrund und weitere Kritik
Der FIFA‑Rat, dem neben DFB‑Präsident Bernd Neuendorf und UEFA‑Präsident Aleksander Ceferin sechs weitere europäische Mitglieder angehören, hatte den Kalender 2023 einstimmig beschlossen. Dennoch äußerten europäische Ligenverbände, darunter European Leagues, Beschwerden bei der EU‑Kommission und fordern mehr Mitspracherecht.
Verletzungen von Stars wie Kylian Mbappé, Alexander Isak, Cody Gakpo, Brian Brobbery und Kai Havertz wurden im Zusammenhang mit der Nations League genannt, was die Bedenken der Verbände weiter bestärkte.
Am 15. Oktober findet in Zürich eine FIFA‑Ratssitzung statt, die im Zeichen des Machtkampfs zwischen Gianni Infantino und Aleksander Ceferin steht. Die FIFA verwies auf die Tagesordnung, auf der das Thema nicht explizit aufgeführt ist, ließ jedoch Raum für "Vermischtes"‑Ansprachen.