Venedig-Diebstahl droht Ultras Rapid endgültig zu zerreißen
Als die Ultras Rapid nach dem Freundschaftsspiel zwischen SK Rapid und dem italienischen Venezia FC am Samstag in Venedig zu ihren geparkten Autos zurückkehrten, wurde ein Wagen aufgebrochen und zwei wertvolle „Fetzn“, also Fan‑Zaunfahnen, entwendet – ein Vorfall, der die älteste Ultra‑Gruppe Österreichs in Gefahr bringen könnte.
Diebstahl in Venedig und seine Symbolik
Am Samstagabend, als das Freundschaftsspiel zwischen SK Rapid und dem zurückgekehrten Serie‑A‑Club Venezia FC ausgetragen wurde, feierten beide Fangruppen einen gemeinsamen Marsch durch die Stadt. Nach dem 1:0‑Sieg der Gastgeber war die Stimmung jedoch getrübt, weil ein Wagen der Ultras Rapid aufgebrochen wurde und zwei „Fetzn“, also eigens gefertigte Fan‑Zeichen, entwendet wurden. In der Ultra‑Kultur gelten solche Zeichen als heilig, weil sie die Identität der Gruppe verkörpern und ihr Ansehen nach außen tragen. Die beiden Vereine feiern seit 26 Jahren eine offizielle Fan‑Freundschaft, die jedes Jahr mit gemeinsamen Choreografien und Jubiläumstrikots begangen wird.
Die Gruppe betonte auf ihrer Homepage, dass es sich nicht um einen Raub im Zuge einer gewaltsamen Auseinandersetzung handele, sondern um einen stillen Diebstahl, der in den eigenen Kreisen als schwerer Ehrenverstoß gilt. Der Verlust von zwei Fetzn kann für die Ultras Rapid einen herben Gesichtsverlust bedeuten, weil rivalisierende Gruppen solche Gegenstände als Beute ansehen. Ein solcher Vorfall kann, wie die Gruppe selbst warnt, den Weg zur Auflösung der gesamten Ultras‑Organisation ebnen.
Frühere Parallelen: Der Fall der Viola Fanatics
Ein ähnlicher Diebstahl ereignete sich im Frühjahr 2023, als maskierte Hooligans aus dem Rapid‑Umfeld die von den Viola Fanatics vorbereitete Stoff‑Choreografie in der Nähe der Generali Arena entwendeten. Für die Viola Fanatics bedeutete dieser nicht‑gewaltsame Diebstahl einen gravierenden Fall von Ehrverlust, der letztlich zur Auflösung der Gruppe führte. Die Ultras Rapid wurden 1988 gegründet und zählen damit zu den ältesten Ultra‑Gruppen im deutschsprachigen Raum. Beide betroffenen Fan‑Gruppen – die Ultras Rapid und die Viola Fanatics – sehen das Material als unverzichtbaren Teil ihrer Identität.
Auf der offiziellen Seite der Ultras Rapid heißt es: "Wir wissen im Moment weder, wer für diesen Einbruch verantwortlich ist, noch wie unser Weg in Zukunft aussehen wird." Damit wird deutlich, dass die Verantwortlichen bislang keine konkreten Hinweise auf die Täter haben und die Situation weiterhin unklar bleibt.
Interne Spannungen und mögliche Folgen für die Fanlandschaft
Innerhalb der grün‑weißen Fan‑Szene stellen die Gruppen „Lords Rapid“ und „Green Lions“ die Führungsrolle der Ultras Rapid zunehmend in Frage und haben bereits bei der ÖFB‑Cup‑Finale 2024 in Klagenfurt eine Massenschlägerei ausgelöst. Gerüchte auf Plattform X und im Austrian Soccer Board deuten an, dass sie hinter dem Diebstahl stecken könnten, doch konkrete Beweise fehlen bislang. Auf dem Weg zu einer neuen Führungsstruktur könnten sich die verbleibenden Mitglieder neu organisieren. Sollten die Ultras Rapid tatsächlich aufgelöst werden, könnte ein Machtvakuum im Block West entstehen, aus dem zwei neue, möglicherweise noch gewalttätigere Führungsgruppen hervorgehen würden.
Fanbeauftragte Julia Düvelsdorf betonte: "Wir sind für die Grauzone zuständig." Die Fans des Vereins hoffen, dass die Verantwortlichen schnell Klarheit schaffen, damit das Problem in der Kurve nachhaltig gelöst werden kann.