Urbig folgt nur Baumann: Erste beiden Länderspiele ohne Gegentor
Im Münchner Olympiastadion, wo das Licht über dem Rasen flackert, steht der 23‑jährige Jonas Urbig zwischen den Pfosten. Während er seine zweite Nationalmannschafts‑Einsatz absolviert, erinnert man sich an Manuel Neuer und Oliver Kahn, die dieses Kunststück nie vollendeten und damit ein Kapitel der Torwartgeschichte neu schreiben.
Erste Einsätze und saubere Weste
Am vergangenen Donnerstag feierte Urbig sein Debüt für die deutsche A‑Nationalmannschaft im Nations‑League‑Spiel gegen Serbien, das Deutschland mit 2 : 0 gewann. Nur vier Tage später, am Sonntag, stand er erneut im Tor, als das Team in Athen ein torloses 0 : 0 gegen Griechenland erreichte. In beiden Partien bewahrte er über die vollen 90 Minuten eine weiße Weste. Bundestrainer Jürgen Klopp setzte damit auf den jungen Bayern‑Keeper für gleich zwei Einsätze hintereinander.
Laut Datenanbieter Opta ist Urbig damit erst der zweite deutsche Torhüter seit 1977, der in seinen ersten beiden Länderspielen ohne Gegentor blieb. Der erste war Oliver Baumann von TSG Hoffenheim, der im Oktober und November 2024 jeweils ein 1 : 0 gegen die Niederlande und ein 7 : 0 gegen Bosnien‑Herzegowina sauber hielt.
Vergleich mit deutschen Torwartlegenden
Im Gegensatz dazu verlor Manuel Neuer seine weiße Weste bereits nach seinem Debüt, als er im Juni 2009 in einem Testspiel gegen die Vereinigten Arabischen Emirate ein 7 : 2‑Sieg mit Gegentor beendete. Oliver Kahn kassierte sein erstes Gegentor erst im zweiten Länderspiel, nachdem er in den ersten beiden Begegnungen – ein 2 : 1‑Sieg gegen die Schweiz im Juni 1995 und ein 4 : 1 gegen Georgien im September 1995 – jeweils ein Tor erhalten hatte. Jens Lehmann hingegen blieb in seinen ersten beiden Einsätzen, beide Testspiele, ohne Gegentor, wurde jedoch zur Halbzeit für Andreas Köpke ausgewechselt.
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Erst in seinen ersten beiden vollen Länderspielen musste Lehmann ein Gegentor hinnehmen: eine 0 : 1‑Niederlage gegen Schottland im April 1999 und ein 0 : 4 gegen Brasilien beim Confederations Cup im Juli 1999. Damit rundet er die Liste der deutschen Torhüter ab, die trotz früher sauberer Einsätze später Gegentore zuließen.
Urbigs Weg zum Nachfolger Neuer
Urbig wechselte Anfang 2025 vom 1. FC Köln zu Bayern München und gilt seitdem als möglicher Nachfolger von Manuel Neuer, der voraussichtlich im kommenden Sommer seine Karriere beendet. Obwohl er aktuell die Nummer zwei ist, erhielt er in dieser Saison bereits zwei Einsätze für die Nationalmannschaft. Klopp erklärte am Tag vor dem Griechenland‑Spiel: „Es ist so, dass alle Jungs, die wir dabeihaben, regelmäßig spielen, bei Jonas ist das anders. Deshalb haben wir geplant, dass er noch ein Spiel bekommt.“ Damit wurde er gegenüber Noah Atubolu (Eintracht Frankfurt) und Finn Dahmen (FC Augsburg) bevorzugt.
Nach dem endgültigen Rücktritt von Neuer hat Jürgen Klopp die neue Nummer eins im DFB‑Tor an Marc‑Andre ter Stegen vergeben, der zwar bei Klopps Bundestrainer‑Premiere gegen die Niederlande im Tor stand, aber seitdem nicht mehr im Kader war. Urbig s überzeugende Einsätze könnten ihm die Chance geben, sich als Herausforderer für die Position des Stammtorhüters zu etablieren.
Gegen Griechenland zeigte Urbig viel Ruhe und reagierte bereits in der zweiten Minute mit einer spektakulären Parade auf einen Kopfball von Georgios Masouras. Seine souveräne Leistung unterstreicht, dass er nicht nur ein einmaliger Glücksfall, sondern ein ernstzunehmender Kandidat für die Zukunft des deutschen Torhüterstabs ist.