Osten testet Modell, das bei Hochrisikospielen weniger Polizei nutzt
Als das Derby zwischen Carl Zeiss Jena und Rot‑Weiß Erfurt im Mai im Stadion ausbrach, standen statt tausender Fans nur etwa drei‑ bis vier‑hundert Polizisten bereit – ein deutlich geringerer Aufgebot, das das neue Pilotprojekt im Osten verdeutlicht und zeigte, dass weniger Polizei bei Hochrisikospielen möglich ist.
Kostenbeteiligung und DFB‑Entscheidung
Der Deutsche Fußball‑Bund hat am 11. September beschlossen, mögliche Polizeikosten für Hochrisikospiele künftig an die Vereine weiterzugeben. Rund um das Derby Jena gegen Erfurt entstanden Personal‑ und Sachkosten in Höhe von 480 000 Euro, die nun von den Clubs getragen werden könnten. Das Präsidium des DFB sah damit ein drängendes Thema für die Regionalligisten auf.
Reduzierte Polizeieinsätze in der Regionalliga
In der Regionalliga Nordost wurden bereits zehn Hochrisikospiele mit großem Polizeiaufwand ausgetragen. Zwei davon fanden in Thüringen statt: Carl Zeiss Jena gegen Lok Leipzig und Jena gegen Rot‑Weiß Erfurt, jeweils mit einer mittleren dreistelligen Anzahl an Beamten. Das Pilotprojekt testet nun ein Modell mit deutlich weniger Polizeipräsenz.
Erfahrungen von Chemnitzer FC
Tommy Haeder, Geschäftsführer des Chemnitzer FC, betont, dass mehrere Spiele mit Hochrisiko‑Charakter bereits mit deutlich weniger Polizeiaufwand durchgeführt wurden. Man habe im Jahr 2026 beim Chemnitzer FC am 9. Mai, am 4. August und am 15. August die Zahl der Beamten reduziert und positive Erfahrungen gesammelt. Laut Sportschau‑Recherchen seien rund 1 000 Polizei‑Einsatzstunden weniger angefallen als bei früheren Partien.
Erfurt gegen Erzgebirge Aue: Zahlen im Detail
Beim Spiel Erfurt gegen Erzgebirge Aue am 19. September, das über 13 000 Zuschauer anzog, wurde nur eine niedrige dreistellige Anzahl an Beamten eingesetzt. Das Innenministerium Sachsen nennt im Schnitt 320 Beamte für ein Hochrisikospiel (Rot‑Spiel) und 110 für ein Gelb‑Spiel. Diese Reduktion zeigt, dass auch bei großer Brisanz weniger Polizeikräfte ausreichen können.
Politische Unterstützung und Ausblick
Armin Schuster, Innenminister von Sachsen, lobt das neue Modell und erklärt: „Wir wollen beweisen, dass durch ein konstruktives Miteinander von Vereinen, Fans und Sicherheitsbehörden die erforderliche Polizeistärke deutlich reduziert werden kann.“ Nach guten Erfahrungen mit dem FSV Zwickau und dem Chemnitzer FC sei man nun in zielführenden Gesprächen mit weiteren Klubs. Ziel sei, mit möglichst wenig Polizei rund um das Stadion für Sicherheit zu sorgen.
Der Sächsische Fußball‑Verband ist in das Projekt eingebunden, während der Nordostdeutsche Fußballverband nicht beteiligt ist. Die Zusammenarbeit der Netzwerkpartner ermöglicht laut Innenministerium eine Entlastung der Polizeidienststellen, die sich bis auf den Streifendienst auswirkt. Das Pilotprojekt könnte künftig die Diskussion um Kostenbeteiligung und Polizeipräsenz in Amateur‑ und Regionalligen nachhaltig verändern.