Neuendorf wirft Infantino ein durchschaubares Manöver vor
Der DFB‑Präsident Bernd Neuendorf hat das Reformangebot von FIFA‑Boss Gianni Infantino als „durchschaubares Manöver“ bezeichnet und die Glaubwürdigkeit des Schweizer Verbandes scharf kritisiert. In einer Stellungnahme nach einer Anfrage der Deutschen Presse‑Agentur betonte er, dass Infantino das Vorhaben vornehmlich zur Sicherung seiner Wiederwahl im kommenden Jahr nutze.
Neuendorf erklärte, dass die Initiative von Infantino darauf abziele, die anhaltende Kritik an seinem Führungsstil zu entkräften. Er fügte hinzu, dass grundlegende Änderungen im Weltverband inzwischen als unverzichtbar erkannt wurden. Der DFB‑Chef kritisierte zudem, dass Infantino nicht die geeignete Person sei, um einen Reformprozess zu leiten.
Infantinos Reformangebot
In seinem Brief kündigte Gianni Infantino eine unabhängige externe Überprüfung der FIFA‑Governance an. Gleichzeitig sollen Konsultationen zur Stärkung der Entscheidungsprozesse, einschließlich der Rolle des Präsidenten, stattfinden. Der 56‑jährige Infantino machte deutlich, dass er die FIFA weiterhin führen wolle.
Ein Verzicht auf eine Kandidatur für eine vierte Amtszeit beim Kongress im März 2027 sei nicht vorgesehen, so Infantino. Kritiker, angeführt vom UEFA‑Präsidenten Aleksandar Ceferin, fordern jedoch, dass er nicht erneut antrete.
Bernd Neuendorf fordert die Absetzung von Gianni Infantino vor den Wahlen am 18. März
Reaktionen von UEFA und Verbänden
Die UEFA wurde nach einer Stellungnahme zum Infantino‑Brief angefragt und bestätigte, dass sie seit mehreren Wochen einen harten Oppositionskurs verfolge. Fußballverbände aus Nord‑ und Mittelamerika unterstützen diese Haltung, haben jedoch noch keinen Gegenkandidaten benannt. Der Druck auf den FIFA‑Boss nehme zu, ohne dass ein klarer Nachfolger in Sicht sei.
Wichtige Termine stehen bevor: Am 8. Oktober treffen sich alle 55 UEFA‑Mitgliedsverbände in Berlin, während am 15. Oktober das FIFA‑Council in Zürich zusammenkommt, um die Reformvorschläge zu diskutieren. Beide Veranstaltungen gelten als Schlüsselmomente im aktuellen Machtkampf.
Ende August eskalierte der Streit, als ein Strafantrag vor Schweizer Gerichten im Zusammenhang mit den WM‑Investorenplänen gegen Infantino angedroht wurde. In den USA wurden Informationen zu den geplanten Geschäften angefordert. Diese juristischen Schritte erhöhen den Druck auf den FIFA‑Boss zusätzlich.
Neuendorf betonte, dass der Deutsche Fußball‑Bund die Entwicklungen aufmerksam verfolgen werde und bereit sei, weitere Stellungnahmen abzugeben. Die anstehenden Sitzungen in Berlin und Zürich werden zeigen, ob die geforderten Reformen tatsächlich umgesetzt werden.