WM
Milliarden-Dollar-WM-Aktienverkauf stellt Infantino gegen Familie Trump
FIFA‑Präsident Gianni Infantino, 56, erwägt einen Vorschlag, einen Teil der kommerziellen Rechte der Weltmeisterschaft (WM) an private Investoren zu verkaufen, wie die britische Zeitung The Times berichtet und mit rund einer Milliarde Dollar beziffert. Der Plan würde eine neue Tochtergesellschaft, FIFA Forward Enterprise, schaffen und etwa zwanzig Prozent des Unternehmens externen Investoren zuweisen.
Der Hauptinvestor, der genannt wird, ist die Familie des ehemaligen US‑Präsidenten Donald Trump, wobei Thrive Capital – geleitet von Josh Kushner, dessen Schwager mit Trumps Tochter verheiratet ist – als Hauptsponsor auftritt. Der Deal würde privatem Kapital einen Fuß in das größte Fußballturnier der Welt geben.
Die französische Tageszeitung platzierte Infantino und Trump auf ihrer Titelseite neben schwebenden Geldscheinen, mit der Überschrift „Wo hören sie auf?“ und dem Zusatz, dass „eine neue rote Linie überschritten wurde“. Die visuelle Gegenüberstellung der Zeitung unterstreicht die sensationelle Natur des Vorschlags.
Der Widerstand ist in der gesamten Fußballlandschaft ausgebrochen. UEFA, die Asian Football Confederation und CONCACAF haben alle Kritik geäußert, während der englische FA, der französische Fußballverband, die belgische Pro League und andere nationale Verbände Erklärungen veröffentlicht haben, in denen sie warnen, dass der Plan die gute Governance gefährde. Der FA bezeichnete den Vorschlag als „eine ernsthafte Gefahr für die Integrität des Sports“.
UEFA hat mit einem Boykott der WM 2030 gedroht, falls das Vorhaben weiterverfolgt wird, und für Donnerstagnachmittag ein Notfalltreffen mit ihren 55 Mitgliedsverbänden anberaumt, um Optionen zu diskutieren. Das Treffen folgt auf frühere Gespräche über einen möglichen Boykott der Frauen-WM im nächsten Jahr.
Der Sportkommissar der Europäischen Kommission, Glenn Micallef, warnte auf X, dass die Kommerzialisierung die Unabhängigkeit des Sports bedrohe und gegen das Wettbewerbsrecht verstoßen könne, und bezeichnete das Vorhaben als „eine gefährliche kommerzielle Überschreitung“.
Prominente Kritiker wie La‑Liga‑Chef Javier Tebas, Englands Premierminister Andy Burnham und der ehemalige FIFA‑Präsident Sepp Blatter haben die Idee alle verurteilt und argumentiert, dass Fußball den Fans gehöre, nicht Investoren. Tebas nannte es „eine rote Karte für den Sport“, während Burnham sagte, die WM „sei kein Produkt, das man verkaufen kann“.
Die Verbände haben bis zum 19. September Zeit, ihre Zustimmung zu geben; jeder würde zwischen 17 Millionen € und 35 Millionen € erhalten, wenn der Deal genehmigt wird. Die Frist erhöht den Druck auf eine Debatte, die die globale Fußballgemeinschaft bereits gespalten hat.
Der krasse Gegensatz zwischen Infantinos kommerziellem Ehrgeiz und den weit verbreiteten Governance‑Bedenken markiert einen entscheidenden Wendepunkt für die Zukunft des Fußballs, wobei das Ergebnis wahrscheinlich bestimmen wird, wie der Sport Gewinn und Prinzipien in Einklang bringt.