WM
Iran gegen Belgien: Taktikwechsel und Abwehrsorgen
Morgen bestreiten Belgien und Iran das Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft, wobei die asiatische Mannschaft unter beispiellosen außersportlichen Turbulenzen anreist. Die Teilnahme des Team Melli stand bis zu ihrer kurzen, streng kontrollierten Einreise in die Vereinigten Staaten auf der Kippe, doch ihr 2:2-Unentschieden gegen Neuseeland gab einen ersten Eindruck von dem, was zu erwarten ist.
Das Spiel gegen Neuseeland zeigte defensive Schwächen auf, da Irans Abwehr immer wieder Lücken aufwies, die erst durch späte Reaktionen geschlossen wurden. Gegen Belgien, dessen Angriffskraft unübertroffen bleibt, könnten diese Lücken jedoch fatal enden. Die „Roten Teufel“ spielten bereits ein 2:2 gegen dieselben Gegner – nur wenige Stunden vor Irans eigenem Spiel.
Amir Ghalenoei, der ehemalige Mittelfeldspieler und heutige Cheftrainer, hat in der Vorbereitung zwischen verschiedenen Systemen gewechselt. Tage vor dem Einsatz eines 4-4-2 gegen Costa Rica setzte er in der Testpartie mit Nigeria ein 3-6-1-System ein, das explizit als „Plan B – defensiv“ für das morgige Spiel konzipiert war.
Trotz dieses vorsichtigen Ansatzes darf Iran nicht unterschätzt werden. Auf Platz 21 der FIFA-Weltrangliste qualifizierte sich die Mannschaft mit 14 Siegen aus 18 Spielen und einem Torverhältnis von 49:8. Ihr vierter WM-Auftritt in Folge zeugt von einem Kern erfahrener Spieler wie Torhüter Alireza Beiranvand, Kapitän Shojae Khalilzadeh in der Abwehr, Saeid Ezatolahi im Mittelfeld und Mehdi Taremi als Sturmführer.
Taremi, ehemaliger Spieler von Porto und Inter Mailand, bleibt trotz der Abwesenheit von Sardar Azmoun Irans wichtigster Mann im Angriff. Seine Fähigkeit, defensive Übergänge auszunutzen, stellt eine direkte Gefahr für Belgiens Abwehr dar. Milad Mohammadi und Ramin Rezaeian, beide aus der Pro League, bieten zusätzliche Breite, während Alireza Jahanbakhsh und Dennis Ayensa das Turnier zunächst von der Bank aus verfolgten.
Ghalenoeis Kader vereint technische Qualität mit der Widerstandsfähigkeit, die in der Qualifikation geschmiedet wurde. „Wir hatten kürzlich viele Schwierigkeiten, aber die Spieler haben alles gegeben und Opfer gebracht“, sagte er. „Sie haben sich in der Qualifikation unermüdlich abgemüht und unzählige Opfer gebracht. Es ist meine Pflicht, ihnen zu danken. Sie können bei dieser WM Außergewöhnliches leisten. Sie haben das technische Potenzial, dieses Turnier unvergesslich zu machen.“
Die belgische Presse sieht Iran als vorsichtigen, aber gefährlichen Gegner. Ghalenoeis taktische Anpassungen spiegeln das Bewusstsein für Belgiens Angriffsklasse wider, doch die defensive Bilanz der Asiaten bleibt ein Risikofaktor. Mit Belgiens erwarteter Offensive, die Irans umgestellte Dreierkette testen wird, ist der Spielraum für Fehler gering.
Belgien beginnt seine WM-Kampagne gegen Iran am 21. Juni um 21:00 Uhr MEZ – live auf Walfoot.be.
Das Spiel hat zusätzliche Bedeutung für Beiranvand, der einst für den belgischen Verein KV Oostende spielte, sowie für Taremi, dessen Karriere Stationen bei Porto und Inter Mailand umfasst.