Champions League
Fußball auf Kunstrasen zwingt Bayern und BVB zu neuer Taktik
Im kalten Stavanger, wo der Himmel grau über dem künstlichen Rasen liegt, treffen am Dienstag Bayern München und am Mittwoch Borussia Dortmund auf norwegische Gegner – ein seltener Test des Kunstrasens im Champions‑League‑Spiel, beide Teams müssen sich an die andere Spielweise anpassen, die in den meisten europäischen Ligen kaum vorkommt.
Künstlicher Untergrund in Norwegen
Dieses Mal haben Viking Stavanger und Bodø/Glimt den Heimvorteil – und zwar fast ausschließlich auf Kunstrasen. In den letzten 34 Jahren war es nur fünfmal möglich, dass ein Team in der Champions‑League‑Phase weiterkam, obwohl das Hinspiel mit drei Toren Unterschied verloren war; der jüngste Fall liegt sieben Monate zurück. Sporting Lissabon schaltete Bodø/Glimt aus, obwohl die Norweger das Hinspiel mit 3:0 gewonnen hatten, und das Endergebnis von 5:0 nach Verlängerung verdeutlicht den Unterschied, den der Untergrund machen kann.
Deutsche Topteams testen den Rasen
Bayern, das im Auftakt zu Hause mit 5:0 gegen Bodø/Glimt triumphierte, reist am Dienstag zu Viking Stavanger, das am ersten Spieltag mit 1:3 gegen VfB Stuttgart verlor. Borussia Dortmund (BVB) trifft am Mittwoch in Bodø/Glimt, gegen den sie in der Vorsaison zu Hause nur 2:2 spielten. Die Spieler der Bundesligisten kennen die Schärfe eines Passes auf Naturrasen – trocken, nass oder pitschnass – doch auf Kunstrasen ist das Spiel völlig anders.
Erfahrungen und Zitate der Spieler
Joshua Kimmmich von Bayern erklärte: „Ich glaube, dass sich die Kunstrasenplätze in den letzten Jahren entwickelt haben, die sind nicht mehr so wie bei mir in der Jugend. Zumindest hoffe ich das. Ich lasse mich überraschen.“ Trainer Vincent Kompany ergänzte: „Ich habe in 20 Jahren Karriere nie auf Kunstrasen gespielt.“ Jose Mourinho, der in Helsinki erneut auf Kunstrasen spielen musste, warnte: „Auf Kunstrasen zu spielen, ist kein Fußball. Es ist ein anderer Sport.“ Beide deutschen Clubs wollen im Auswärtstraining ein Gefühl dafür bekommen, welche Schuhe sie benötigen.
Im Sport ist die Oberfläche ein entscheidender Faktor, weil sie die Sprunghöhe des Balls und die Laufgeschwindigkeit beeinflusst. Auf nassem Naturrasen springt der Ball anders als auf dem trockenen Kunstrasen, was die Passgenauigkeit und das Timing der Stürmer verändert. Deshalb sollen die Spieler in den Trainingsphasen das neue Terrain intensiv nutzen, um sich an die veränderten Bedingungen anzupassen.
Norwegische Teams haben in den letzten Jahren beachtliche Fortschritte gemacht: Bodø/Glimt besiegte in der Ligaphase den englischen Superstar Erling Haaland mit Manchester City zu Hause und überwand Inter Mailand dank eines 3:1-Heimsieges in den Playoffs. Dennoch blieb ihr Lauf im Achtelfinale der Champions‑League trotz eines 3:0-Heimsieges aus, was den Unterschied zwischen heimischem Kunstrasen und auswärtigen Bedingungen unterstreicht.
Frühere Erfolge der Norweger umfassen ein Halbfinale der Europa League, das gegen Tottenham Hotspur endete, sowie Siege gegen Twente Enschede (5:2 nach Verlängerung), Olympiakos Piräus (3:0) und Lazio Rom (2:0) in ihrer eigenen Arena mit nur 8.000 Plätzen. Alle Auswärtsspiele wurden jedoch verloren, was die Bedeutung des heimischen Kunstrasens weiter betont.
Damit erhalten die deutschen Topclubs zum zweiten Champions‑League‑Spieltag eine seltene Gelegenheit, den Kunstrasen live zu erleben – ein Test, der nicht nur taktische Anpassungen, sondern auch mögliche langfristige Auswirkungen auf Training und Ausrüstung im europäischen Fußball haben könnte.