FC Tirol entfacht Europa‑Glanz nach regnerischem Start 1986
Ein dicker Regenschauer über dem Tivolistadion am 17. September 1986 ließ den Schiedsrichter das Spiel gegen Sredets Sofia abbrechen – doch das war erst der Auftakt einer europäischen Odyssee, die den FC Tirol in den Köpfen der Fans verankerte.
Regnerischer Auftakt und dramatischer Neustart
Im zurückgesetzten Rückspiel am 18. September erzielte Kapitän Manfred Linzmaier das erste Tor und bescherte dem Team einen 3:0‑Endstand. Die übrigen Treffer kamen von Publikumsliebling Alfred Roscher und Peter Pacult, während die Bulgaren um Hristo Stoitschkow kaum Chancen fanden. Die Mannschaft von Trainer Felix Latzke hatte im ersten Durchgang gegen die Bulgaren ein frühes Rückstandstempo erlebt und war chancenlos, bis das Unwetter das Spiel beendete.
Aufstieg zur europäischen Bühne
Die Saison 1986/87 markierte den Beginn einer neuen Ära für den FC Tirol, unterstützt durch den Einstieg der Firma Swarovski und die Übernahme der Bundesliga‑Lizenz des FC Wacker Innsbruck. Ein neues Logo, frische Vereinsfarben und bislang ungezeigte Trikots sorgten für Aufsehen, wie Kapitän Linzmaier erinnerte: „Schon die Teampräsentation war ein Wahnsinn.“ Das Team, bestehend aus Torwart Tomislav Ivkovic, Innenverteidigern Robert Auer und Ivica Kalinic sowie den Stürmern Alfred Roscher und Peter Pacult, zeigte eine ausgewogene Mischung.
Weiterer Lauf bis zum Halbfinale
Im Rückspiel in Sofia musste der FC Tirol eine 0:2‑Niederlage hinnehmen, doch das Gesamtergebnis reichte, um im Europacup weiterzuziehen. Hansi Müller, der ehemalige deutsche Europameister, war im Mittelfeld der Spielmacher, der das Team entscheidend prägte. Die nächste Etappe führte nach Belgien, wo der Klub nach einem 2:1-Heimsieg und einer 2:3-Auswärtsniederlage dank der Auswärtstorregel gegen Standard Lüttich weiterkam.
Chancen für Deutschland, wer erreicht das Viertelfinale?
Im Achtelfinale trafen die Tiroler auf Spartak Moskau. Das Hinspiel (0:1) wurde in Simferopol aus Kältegründen ausgetragen; die Sowjets schickten einen eigenen Flieger, um das Team zu holen. Während des Aufenthalts blieb die Mannschaft im Hotel, und der mitgereiste Tiroler Koch erregte die Aufmerksamkeit lokaler Journalisten, die um ein gemeinsames Essen baten.
Im Rückspiel drehte der FC Tirol dank eines Doppelspiels von Roscher (70.) und Hansi Müller (72.) das Match und zog ins Viertelfinale ein, das 10. Dezember vor 17 000 Zuschauern im engen Tivolistadion stattfand. Das Highlight folgte gegen den AC Torino, wo Müller einen Eckball direkt verwandelte und das Team mit 2:1 ins Halbfinale schickte.
Das Halbfinale gegen den schwedischen Klub IFK Göteborg erwies sich als zu stark: Nach einer 1:4‑Niederlage im Hinspiel verlor Tirol das Rückspiel mit 0:1. Das Tivolistadion war bis zu 21 000 Zuschauer aus allen Nähten gefüllt, und Linzmaier fasste es zusammen: „Es war einfach eine tolle Zeit.“