Fan in Glasgow wirft „Free Xhaka“ ins Zentrum der Schweizer Debatte
Ein Fan der Schweizer Nationalmannschaft hielt am Dienstag beim Auswärtsspiel in Glasgow ein Schild mit der Aufschrift „Free Xhaka“ hoch, ein, das AFP verbreitete und sofort die öffentliche Debatte nach dem Spiel um den Platz des Spielers in der „Nati“ entfachte.
Pandemie kehrt in Schweizer Debatte zurück
Vor sechseinhalb Jahren hat das Coronavirus jeglichen Sportbetrieb lahmgelegt. Heute wirkt die Pandemie vielerorts vergessen, doch in der Schweiz kehrt sie mit Wucht in die öffentliche Debatte zurück. Die jüngsten Enthüllungen über gefälschte Zertifikate von Nationalspielern und einem ehemaligen Eishockeytrainer haben das Thema erneut ins Zentrum gerückt.
Der Kapitän der Schweizer Nationalmannschaft, Granit Xhaka, geriet durch einen Bericht der Boulevardzeitung „Blick“ in die Kritik. Die Luzerner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn und eine Ärztin, die angeblich ein Impfbestätigung ohne Impfung ausstellte. Xhaka gab drei Tage nach den Vorwürfen zu, im Frühjahr 2022 ein Zertifikat gekauft zu haben, und einigte sich mit dem Schweizerischen Fußballverband darauf, die nächsten vier Länderspiele nicht zu bestreiten.
Breel Embolo: Testzertifikate, Ausschluss und öffentlicher Aufschrei
Breel Embolo wurde einen Tag vor dem ersten Spiel gegen Nordmazedonien vom Verband vom Kader ausgeschlossen. Der Schweizer Nationaltrainer Murat Yakin bestätigte, dass man drei Tage vor dem Spiel über eine Verurteilung wegen Anstiftung zur Urkundenfälschung informiert worden sei. Frühere Recherchen zeigten, dass Embolo 2021 über ein Mitglied der Hells Angels zwei Corona‑Testzertifikate gekauft hatte; der Vermittler wurde inzwischen wegen Betrugs und Sexualdelikten verurteilt.
Der ehemalige Eishockey‑Nationaltrainer Patrick Fischer hatte im April zugegeben, 2022 mit einem gefälschten Impfzertifikat zu den Olympischen Spielen nach Peking gereist zu sein, woraufhin er entlassen wurde. In der aktuellen Debatte äußerte Fischer sein Bedauern für Granit Xhaka und sagte: „Es tut mir leid für Granit. Ich verstehe seine Gründe.“ Der „Tages‑Anzeiger“ berichtete, Xhaka habe das Zertifikat für eine USA‑Reise mit Arsenal verwendet, doch er habe bislang keine Stellung genommen.
Öffentliche Reaktionen und mediale Kontroverse
Die Reaktionen der Medien sind gespalten. Der Schweizer Fernsehkommentator Sascha Ruefer kritisierte den Verband und meinte, er sei der Einzige, der überrascht gewesen sei. Der frühere Nationalspieler Benjamin Huggel fragte per WhatsApp, ob Xhaka noch ein Vorbild sei, und die Schweizer Fußballjournalisten debattieren, ob Spieler mit gutem Beispiel vorangehen müssen oder ob die Fälle nur die Spitze eines täglichen Betrugsgeschäfts darstellen.
Der Fan, der das „Free Xhaka“-Schild in Glasgow zeigte, wurde von AFP fotografiert und das verbreitete sich schnell über die offizielle App des Schweizer Fußball‑Verbandes. Die Bildunterschrift betonte, dass die gefälschten Zertifikate die Corona‑Zeit zurückholen und die Diskussion um den Platz der Spieler neu entfachen.
Die Gegenüberstellung von harten rechtlichen Schritten und breiter öffentlicher Empörung zeigt, dass die Pandemie in der Schweiz nicht nur medizinisch, sondern auch sportlich wieder präsent ist. Wie die Debatte weiter verläuft, hängt nun von den Entscheidungen des Verbandes und der Reaktion der betroffenen Spieler ab.