Druck aus der Presse steigt, Montella bleibt unbeirrt
Der einst gefeierte italienische Trainer Vincenzo Montella steht im Kreuzfeuer der türkischen Presse, während er nach der 0:3‑Niederlage gegen Belgien am Freitagabend in Lüttich erstaunlich gelassen reagierte. Die Medien fordern sein sofortiges Ausscheiden, Montella hingegen lässt die Kritik weitgehend unbeachtet.
Die heimische Presse verlangt vehement den Rauswurf des vormals gefeierten Coaches. Hürriyet schrieb: „Von Montella sollte man sich jetzt umgehend trennen. Und jetzt tretet endlich alle zurück und geht!“, während A Spor und Fotomac mit „Montella hat dieser Mannschaft nichts mehr zu geben“ bzw. „Arrivederci Vincenzo Montella!“ reagierten.
Montella, 52 Jahre alt, erwiderte: „Ich möchte der aktuellen Kritik nicht zu viel Gehör schenken. Mit diesen Spielern sind wir nach 24 Jahren wieder zur Weltmeisterschaft gefahren und in Liga A aufgestiegen.“ Er betonte, dass er die Kritik nicht überbewerten wolle und die bisherigen Erfolge mit den Spielern würdige.
Ergebnisse und Tabellenlage
Nach drei Spielen gegen starke Konkurrenz steht das Team mit null Punkten und einem Torverhältnis von 1:8 am Tabellenende von Gruppe 1. Zuvor verlor man gegen Frankreich 0:1 und gegen Italien 1:4. Montella bezeichnete die Zugehörigkeit zur höchsten Spielklasse der UEFA Nations League als „Privileg und keine Strafe“.
Statistisch war das Spiel gegen Belgien ausgeglichen: die Türkei hatte mehr Schüsse, mehr Ballkontakte im gegnerischen Strafraum, mehr Eckbälle und nur einen leicht niedrigeren xG‑Wert. Für Belgien trafen Kevin De Bruyne (2) und Romelu Lukaku. Gegen Frankreich und Italien zeigte die türkische Mannschaft fast gleiche Leistungen, doch die Ergebnisse sprechen gegen Montella.
Spieler und Zukunftsperspektiven
In der Nations League konnten die Topspieler Hakan Calhanoglu und Kenan Yildiz bislang nicht eingesetzt werden, und in Lüttich fehlte Can Uzun von Eintracht Frankfurt. Die türkische Presse nennt bereits mögliche Nachfolger wie Eddie Howe und Thomas Frank. Montella übernahm das Amt vor fast exakt drei Jahren, startete mit drei Siegen, darunter ein 3:2 gegen die DFB‑Auswahl in Berlin, und führte die Türkei 2024 ins EM‑Viertelfinale.
Von 39 Spielen unter dem Italiener gewann die Türkei 21, verlor 13 und erreichte bei der diesjährigen WM in den USA, Mexiko und Kanada ein frühes Ausscheiden, das als große Negativüberraschung bewertet wurde. Der anhaltende Mediendruck zeigt, dass trotz statistischer Parität und früherer Erfolge die Zukunft des Trainers ungewiss bleibt.