FRAUEN FRAUEN
DFB trennt Frauen-Bundesliga – Meilenstein, aber zu spät?
Der Deutsche Fußball‑Bund (DFB) wird am Freitag, dem 18.09.2026, im außerordentlichen Bundestag über die Ausgliederung der Frauen‑Bundesliga entscheiden. Der Schritt erfolgt spät, doch die Hoffnung ist, dass er gerade noch rechtzeitig ist, um verlorenen Boden gegenüber anderen Ligen wettzumachen. Damit soll die eigenständige Struktur die Zukunft des Frauenfußballs in Deutschland sichern.
Im Rahmen der Beschlussfassung werden die Satzungsänderungen beschlossen, die die Frauen‑Bundesliga in den neuen Ligaverband FBL überführen. Der FBL wird ab dem 1. Juli 2027 allein verantwortlich sein und nur noch durch einen Grundlagenvertrag mit dem DFB für sieben Jahre verbunden bleiben. Geplant ist zudem die Gründung einer GmbH als Tochtergesellschaft des FBL e. V., angelehnt an das Vorbild der Deutschen Fußball‑Liga (DFL) der Männer.
Langjährige Kritik und neue Führung
Karin Danner, von 1995 bis 2023 Abteilungsleiterin Frauenfußball beim FC Bayern München, bezeichnet die Entscheidung als "ein Meilenstein" von historischer Bedeutung und sagt: "Das, wofür wir jahrelang gekämpft haben, ist wahr geworden." Sie kritisiert, dass der DFB die Frauen‑Bundesliga jahrelang nicht immer im Sinne der Vereine betrieben habe und fügt hinzu: "Das lief so gemächlich: Immer wieder wurden Strukturen analysiert und Kompromisse gesucht. Und in der Zeit haben andere Nationen einfach Tatsachen geschaffen."
Englische Vorreiterrolle
Der Sportökonom Christoph Breuer von der Deutschen Sporthochschule Köln warnt, dass es schwer werden wird, den Rückstand aufzuholen, weil die Frauen lange das "stiefmütterlich behandelte Anhängsel des Männerfußballs" waren. Er weist darauf hin, dass die englische Women’s Super League (WSL) bereits 2022 von der Football Association getrennt und seit 2024 von der Women’s Professional Leagues Ltd. geführt wird. In England wurden bereits erste Millionentransfers abgeschlossen, während deutsche Talente wie Nicole Anyomi, Selina Cerci, Lisa Baum und Carlotta Wamser für etwa 600.000 Euro zu englischen Klubs wechselten.
Zukunft und 2029 als Katalysator
Die nächsten zwei Jahre seien entscheidend, meint Danner, denn das Durchschnittsgehalt der Spielerinnen liegt bei 4.000 Euro und die Attraktivität für Sponsoren müsse steigen. Mit Blick auf die Europameisterschaft 2029 im eigenen Land sieht sie einen "Katalysator" für den deutschen Frauenfußball und fordert: "Jetzt müssen alle Klubs schleunigst an einem Strang ziehen." Sie betont weiter: "Das ist eine historische Aufgabe für die FBL. Du bist jetzt aus dem jahrelang verwalteten DFB‑Produkt raus und musst jetzt ein marktfähiges Premiumunternehmen auf die Beine stellen."
Der Zuschauer‑Durchschnitt der Frauen‑Bundesliga liegt bei 3.300, deutlich unter dem der englischen Liga, die mehr Reichweitenkontakte generiert und pro Fan‑Kontakt mehr Geld einnimmt. Die neue Struktur soll diese Lücke schließen, indem sie professionelle Vermarktungsstrategien übernimmt, die bislang nur der Männer‑Bundesliga vorbehalten waren.
Zusammenfassend zeigt die Gegenüberstellung: Während die Ausgliederung einen historischen Meilenstein darstellt, bleibt die Herausforderung, den internationalen Rückstand aufzuholen und die Liga für Spielerinnen, Vereine und Sponsoren attraktiv zu machen.