Bundesliga
Bundesliga, Serie A, La Liga erhöhen den Druck auf Gianni Infantino
Die vier größten europäischen Fußball-Ligen – Bundesliga, Serie A, La Liga und Premier League – haben heute einen gemeinsamen Brief veröffentlicht, in dem sie die FIFA‑Kritik jetzt scharf gegen Gianni Infantino richten, ohne jedoch seinen Rücktritt zu fordern. Der 56‑jährige FIFA‑Präsident steht damit erneut im Visier.
Gemeinsamer Brief der Top-Ligen
In dem zweiseitigen Schreiben heißt es: „Die langjährigen Grundlagen des Fußballs wurden in den letzten Jahren durch ein grundlegendes Führungsproblem bedroht, da der FIFA‑Präsident ausbeuterische Ideen aktiv gefördert hat, anstatt sie zu verhindern.“ Die Liga‑Chefs Marc Lenz, Javier Tebas, Luigi De Siervo und Richard Masters unterzeichneten das Dokument.
Der Name Gianni Infantino wird im Brief bewusst nicht genannt, obwohl er das zentrale Ziel der Kritik bleibt. Damit verdeutlichen die vier Ligabosse, dass die Botschaft eindeutig an den Präsidenten gerichtet ist, ohne ihn namentlich zu erwähnen.
Der Text verurteilt den „unerbittlichen Expansionismus“ der FIFA und trägt den Titel: „Um den Fußball zu vereinen, muss sich die FIFA reformieren.“ Diese Formulierung unterstreicht die Sorge um die langfristige Stabilität des Fußballs in Europa.
Kernforderungen an die FIFA
Die Liga‑Vertreter fordern drei zentrale Punkte: echte Mitsprache für betroffene Interessengruppen, evidenzbasierte Entscheidungsfindung und den Schutz der FIFA als Hüter des Fußballs vor rein kommerziellen Interessen. Sie betonen, dass oberflächliche Prozessänderungen nicht ausreichen.
Bernd Neuendorf fordert die Absetzung von Gianni Infantino vor den Wahlen am 18. März
Zusätzlich wird auf das gescheiterte Investorenprojekt zur Vermarktung der WM‑Rechte im Sommer verwiesen, das den Präsidenten bereits stark unter Druck gesetzt hatte. Auch die von US‑Präsident Donald Trump ausgelöste Rot‑Sperre des Stürmers Folarin Balogun bei der WM wird im Brief kritisiert.
Zeitplan für Reformen
Der am 18. März in Rabat gewählte Präsident soll innerhalb von 100 Tagen eine unabhängige Kommission einsetzen und innerhalb von sechs Monaten einen öffentlichen Bericht vorlegen. Diese Fristen wurden von den Ligabossen ausdrücklich gefordert.
Infantino, 56, hat angekündigt, dass er die FIFA weiter führen will und von einem Verzicht auf eine Kandidatur für eine vierte Amtszeit beim Kongress im März 2027 nicht die Rede ist. Trotz fehlender Gegenkandidatur fordern UEFA‑Präsident Aleksandar Ceferin sowie DFB‑Vizepräsident Hans‑Joachim Watzke und Präsident Bernd Neuendorf seinen Rücktritt.
Der Kontrast zwischen scharfer Kritik und dem Verzicht auf eine öffentliche Rücktrittsforderung zeigt, dass die europäischen Top‑Ligen strategisch Druck ausüben, ohne die Gefahr einer Spaltung im internationalen Fußball zu riskieren.