WM
Brasiliens WM-Achtelfinale-Aus nach 36 Jahren: Neymars Tränen
Der regendurchweichte Rasen in Lyon wurde am Dienstagabend zur Bühne des Herzschmerzes, als Brasiliens Weltmeisterschaftskampagne mit einer 1:2-Niederlage gegen Norwegen endete. Die 36-jährige Viertelfinal-Dürre der Seleção war damit endlich gebrochen – allerdings nicht so, wie es sich die fünfmaligen Weltmeister vorgestellt hatten.
Neymar Jr. stand allein im Mittelkreis, nachdem der Schlusspfiff ertönt war, seine Schultern bebten, während Tränen über sein Gesicht strömten. Der 34-jährige Stürmer hatte sein letztes WM-Spiel bestritten, sein Turnier endete mit einer Leistung, die weit hinter den Erwartungen an Brasilien zurückblieb. Die offensive Dreierkombi aus Vinícius Júnior und Rodrygo blieb blass, während Torhüter Alisson einen seltenen Fehler beging, der seiner Mannschaft teuer zu stehen kam.
Norwegen hingegen sicherte sich mit einer disziplinierten und klinischen Vorstellung erstmals einen Platz im WM-Viertelfinale. Der 2:1-Sieg fiel in der 83. Minute, als ein Konter in ein Tor mündete, das die brasilianische Abwehr komplett entblößte. Der Kontrast zwischen den beiden Mannschaften hätte nicht größer sein können: die einen feierten Geschichte, die anderen ertranken in Enttäuschung.
Für Brasilien markiert die Niederlage das Ende einer Ära. Die Seleção verpasste erstmals seit 1988 das Viertelfinale, eine Serie, die über mehrere Generationen von Talenten hinweg ungebrochen geblieben war. Neymar, der über ein Jahrzehnt die Last der Erwartungen einer ganzen Nation getragen hat, sieht sich nun mit der Realität nach der WM konfrontiert. Sein emotionaler Zusammenbruch spiegelte die rohe Emotion eines Turniers wider, das so viel versprochen, aber für die fünfmaligen Weltmeister so wenig gebracht hatte.
Norwegens Spieler hingegen brachen in Jubel aus, als der Schlusspfiff ertönte. Ihre Reise ins Viertelfinale war geprägt von Resilienz und taktischem Scharfsinn, wobei Stürmerstar Erling Haaland mit drei Toren in vier Spielen die Offensive anführte. Der 23-Jährige hat sich auf der Weltbühne präsentiert, seine Leistungen zogen Vergleiche mit einigen der größten Stürmer des Spiels nach sich.
Die brasilianische Delegation verließ das Stadion in bedrücktem Schweigen, die Last der Niederlage war greifbar. Neymar Jr. wurde von seinen Teamkollegen getröstet, sein WM-Abschied endete in Tränen statt in Triumph. Für einen Spieler, der eine Ära geprägt hat, war dieser Moment eine schonungslose Erinnerung an die grausame Unberechenbarkeit des Fußballs.
Brasiliens Ausscheiden lässt die Weltmeisterschaft nun völlig offen, mit Norwegen, das sich unter die Favoriten für den Titelgewinn einreiht. Ihr Viertelfinalspiel gegen Frankreich steht bevor, während die Seleção sofort mit dem Neuaufbau beginnen muss. Die Tränen auf dem Rasen in Lyon werden noch lange nach dem Schlusspfiff nachhallen.