Bayern eifert Real Madrids Transfermodell – Sauer erklärt den Wandel
Im ersten Teil der umfangreichen Interviews spricht Jochen Sauer, seit 2017 in führenden Positionen im Nachwuchsbereich des FC Bayern, über ein Umdenken, das durch Angelo Stiller und Kenan Yildiz ausgelöst wurde, über die Wichtigkeit von Weiterverkaufsbeteiligungen und über den erstaunlichen Aufstieg von Bara Ndiaye, während Bayern die spezielle Transferstrategie von Real Madrid nachahmt.
Sauer über den Campus und seine Aufgaben
Auf dem Weg zum Büro von Jochen Sauer am FC Bayern Campus passiert man einen Korridor, an dem zahlreiche Trikots hängen – auf der einen Seite die berühmtesten Eigengewächse wie Jamal Musiala und Aleksandar Pavlovic, auf der anderen die neuesten Profidebütanten. Dank Vincent Kompanys Vertrauen in die Jugend entsteht hier ein Platzmangel, der die Bedeutung des Nachwuchses unterstreicht.
Erfolge und finanzielle Wirkung
Der 54‑jährige Sauer wechselte 2017 von RB Salzburg zum FC Bayern und ist seitdem Direktor Entwicklung sowie Geschäftsführer von Red&Gold Football, dem internationalen Klub‑Netzwerk des Vereins. Er erklärt, dass die Kombination aus immer mehr Talenten, die zu Profis wie Musiala, Pavlovic, Josip Stanisic oder Lennart Karl werden, und den hohen Einnahmen aus Spielern, die den Durchbruch nicht schaffen, finanzielle Ressourcen schafft, die wieder in die Nachwuchsarbeit und Transfers investiert werden können.
Uli Hoeneß sagte bei der Campus‑Eröffnung: „Vielleicht ist das die Antwort des FC Bayern auf den Transferwahnsinn.“ Neun Jahre später fragt sich Sauer, ob diese Antwort tatsächlich wirkt, und betont, dass die beiden genannten Faktoren die Basis bilden.
Nach dem Durchbruch von Lennart Karl und den Einnahmen aus dem Sommerverkauf eigener Talente, darunter der Aufstieg von Bara Ndiaye, sei das Management zufrieden. Sauer erinnert sich an ein halb im Scherz gestelltes Gespräch mit Hoeneß, in dem er nach dem nächsten Bayern‑Spieler gefragt wurde und erklärte, dass im Nachwuchsbereich Zeit nötig sei, besonders bei einem kompletten Neustart.
Vergleich mit Real Madrids Transfermodell
Die Infrastruktur des Campus war zu Beginn verbesserungswürdig: drei Mannschaften trainierten auf demselben Platz, alle Trainer teilten ein Großraumbüro, und es fehlte an modernen Einrichtungen. Durch den Neubau konnten neue Strukturen geschaffen werden, die den Weg für die heutige Erfolgsbilanz ebnen.
Ein erster großer Schritt war die Drittliga‑Meisterschaft 2020, in der Musiala, Stiller, Malik Tillman, Joshua Zirkzee und Chris Richards spielten und damit die Basis für die aktuelle Generation legten. Stiller, der 2021 ablösefrei zu TSG Hoffenheim wechselte und dort Nationalspieler wurde, hat zusammen mit Kenan Yildiz ein Umdenken bei den Durchlässigkeits‑ und Transferstrategien des FC Bayern ausgelöst.