Myanmars Militärjunta zwingt Männer in den Krieg, Exilierte kämpfen
Myanmars Militärjunta zwingt junge Männer in einen brutalen Krieg, eine Realität, die einen Bürgerkrieg in Südostasien befeuert. Myanmars Junta zwingt zum Dienst, doch wer fliehen kann und wer Geld hat, kann Freiheit kaufen, wie Martin Aldrovandi, Südostasien‑Korrespondent, aus Bangkok berichtet.
Leben in einem Exilzimmer in Bangkok
Die Tapete bröckelt, die Wand ist voller Schimmel. In der Ecke eines kleinen Zimmers außerhalb von Bangkok liegt eine dünne Schlafmatte. Hier lebt Aung Khant Thant, ein 22‑jähriger Mann, dessen richtiger Name anders ist. Der beengte Raum zeigt den Verfall des Zimmers, mit Schimmel an der Wand und einer zerfallenden Tapete in der Ecke.
Militärbeamte weihen Männer wahllos ein und schicken sie an die Front des Krieges. Thant berichtet, «Das Militär zieht jeden ein, den es finden kann», und fügt hinzu, dass die zwangsweise eingezogenen Soldaten Männer wie er seien, die zu fliehen versuchen. Nachdem er aus Thailand ausgewiesen wurde, überstand er wochenlanges Training, in dem er das Schießen und das Werfen von Granaten lernte und versprach, sich zu ergeben, wenn er auf Widerstandsgruppen traf.
Im Februar 2021 inszenierte Myanmars Militär einen Putsch und stürzte die gewählte Regierung von Aung San Suu Kyi. Seitdem regiert eine Junta das Land mit eiserner Faust, was einen landesweiten Widerstand auslöste, der in einen Bürgerkrieg ausbrach. Das Militär kämpft nun an mehreren Fronten gegen die Bevölkerung und präsentiert sich als zivile Regierung, die internationale Anerkennung sucht.
Fluchten und die Kosten der Freiheit
Thant nutzte einen Moment nach dem Training, sagte einem Wächter, er gehe zum Tee, sprintete dann zu einem Motorradtaxi und versteckte sich bei Verwandten. Monate später überquerte er die Grenze nach Thailand, wo er nun im Exil lebt. Ein Freund wurde von einem Splitter getroffen und verlor ein Auge, was die Gefahr verdeutlicht. Khin, eine 29‑jährige Frau, floh mit ihrem Freund, bevor er eingezogen werden konnte. Sie erklärt, dass wer Geld hat, eine Bestechung zahlen kann; ihre Familie zahlte knapp 2000 Franken für die Freilassung eines Cousins. Sie fügt hinzu, dass Berichte darauf hinweisen, dass das Militär nun auch Frauen einzieht. Für Khin und ihren Partner ist eine Rückkehr ins Land keine Option.
Heute überlebt Thant, indem er gelegentliche Jobs in einem Lagerhaus annimmt und an den Willen festhält, nach Hause zurückzukehren. Er sagt, «Ich denke oft an eine Rückkehr, ich vermisse meine Familie sehr», und hofft, dass er in zehn Jahren sein Land wiedersehen könnte. Seine Geschichte spiegelt eine Generation junger Myanmars wider, die einem langen Exil gegenüberstehen.
Die Situation bleibt volatil, in vielen Grenzregionen, und ein Frieden scheint fern.